Unsere Katzen Kastraten BabysInfos Würfe Pläne ShowIn Erinnerung LinksKontaktGästebuchHome

Ein etwas spritziges Thema


Deckkater-Haltung

Wie bleibt die Nähe zum Menschen möglich?

Sich einen eigenen Deckkater ins Haus zu holen, hat viel mit dem Übernehmen von Verantwortung zu tun - und der persönlichen Fähigkeit, zu kompromissfähigen Lösungen zu kommen. Denn: Es kommt nicht ein "Dienstleister" ins Haus, der dem Menschen als Deckmaschine möglichst preisgünstig oder sogar lukrativ zu Nachwuchs verhilft - sondern ein Lebewesen mit vielen Emotionen, denen wir Rechnung tragen müssen. Aufgrund seiner besonderen Lebensumstände manchmal sogar mehr als den Katzendamen, so lange er potent ist.

Da lebt einer in seiner "Behausung", in einem Verschlag im Keller, 1 Meter x 1 Meter x 1,80 Meter groß, sparsam "möbliert", ohne Chance, gelegentlich ins Freie zu kommen. Die einzige Abwechslung ist hin und wieder eine Kätzin, die er beglücken darf. Ein anderer Kater fristet sein Leben noch erbärmlicher: In einem Hundekäfig, der in einer Scheune steht - Lebensraum: Noch nicht einmal ein Kubikmeter. Kommt Damenbesuch, gibt es Abwechslung: Dann darf er ins Haus, darf im Badezimmer seinen Pflichten nachkommen. Ein dritter, in einer Zucht auf dem Land, hat seinen Maschendraht-Käfig hinter dem Haus - und darf gelegentlich, wenn kein Besuch ins Haus steht, tagsüber auch mal streunen.

Drei Beispiele, die nicht alleine stehen - aber wir wollen es dabei bewenden lassen. Sie stammen auch nicht aus irgendwelchen Hinterhof-Zuchten aus Russland oder einem anderen armen Land, wo die ökonomischen Verhältnisse oder reine Profitgier zu solchen Kater-Knästen führen. Baby-Produzenten - und mehr nicht? Es sind Beispiele aus den höchstzivilisierten Ländern des Westens, sogar aus namhaften Zuchten.

Beispiel 1 kommt aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Die Familie, in der der Kater sein eingeschränktes, isoliertes Leben fristet, ist gut situiert - ein nicht unbescheidenes Haus mit großem, gepflegtem Grundstück inclusive Gartenhaus, zwei Kindern, zwei Autos und so weiter. Alternative Lebensmöglichkeiten wären durchaus machbar, werden aber noch nicht einmal im Ansatz angedacht. Das zweite Beispiel kommt aus Holland, der Kater dort dient als "Geldmaschine". Und der dritte Fall spielt in Skandinavien - unverantwortlich allein wegen der Gefahren, denen ein potenter Kater im Freilauf ausgesetzt ist und der Risiken, die er aus seinen Ausflügen in die Zucht hineinbringen könnte. Wer fragt nach der Verantwortung? Verantwortungsgefühl für den Deckkater? Fehlanzeige. Und das beschränkt sich nicht auf die drei genannten Länder, sondern findet sicher in ganz Europa und den USA statt - auch bei uns. Leider.

Ob es nur die Spitze eines Eisbergs ist, wissen wir nicht. Absolut ideal und traumhaft schön wäre es natürlich, wenn auch der potente Kater in der Familie integriert sein und sich in Haus und Wohnung frei bewegen könnte - und mit Frauchen auf dem Sofa kuscheln dürfte. Ein nichtspritzender potenter Kater - von diesem Ausnahmetier träumt jeder Züchter, die wenigsten haben dieses Glück; manche helfen mit Hormonspritzen oder -chips nach, aber diese Wirkung ist zeitlich begrenzt und die Auswirkungen auf spätere Würfe sind noch zu wenig erforscht.

Leider kann diese Haltung also nicht die Regel sein. Denn ein nicht geringer Anteil an männlichen Vierbeinern findet es supertoll, seine Duftmarke an den abenteuerlichsten Plätzen des Hauses zu setzen. Und ehe Mensch es sich versieht, wohnt er in einem großen Katzenklo mit vielen Zimmern, dessen übel riechender, beißender Kater-Geruch schwer zu beseitigen ist. Und damit beginnt das Leiden der jungen Kater - gerade, wenn sie aus kurzsichtigen Gründen und vor allem zu früh in einer Züchter-Karriere angeschafft werden. Da wird schnell überschlagen: Für den Gegenwert von zwei Deckungen kann ja ein Kater direkt bei uns einziehen, für den Wert von vier bis fünf Deckungen sogar einer aus einer Wunsch-Linie.

Und dazu noch die Hoffnung, neben einem guten Vererber auch einen Ausstellungs-Renner in spe zu erwerben - die Träume werden immer größer. Und platzen, wenn der Kater potent wird und sich seiner Männlichkeit besinnt. Spätestens dann wird auch dem Laien klar: Ein Kater braucht ein eigenes Lebensumfeld - nicht nur, was den Gestank, sondern auch ungeplante Würfe angeht. Hochachtung für einen Kater-Besitzer, der bei einer für ihn räumlich unlösbaren Aufgabe die Konsequenz zieht und seinen Liebling kastrieren lässt, damit er weiter bei ihm leben bleiben kann.

Welche alternative Möglichkeiten kann es aber geben? Da wir nur darüber schreiben wollen, wo wir selbst Erfahrungswerte haben, sind diese Antworten auf naturnahe Rassen gemünzt, wobei uns durchaus bewusst ist, dass Kater bei Rex oder Persern (um nur Beispiele zu nennen) von sich heraus andere Lebensbedingungen brauchen. Die Missstände aber, was Katerknäste betrifft, sind in allen Ländern und Rassen gleich. Der Beitrag soll dabei auch nicht die verurteilen, die nicht ein so enges Mensch-Tier-Verhältnis haben, wie wir es hier idealisiert voraussetzen - es gibt durchaus auch eine liebevolle Distanz, die dennoch mit artgemäßer Fürsorge kombiniert ist.

Eine angemessene Unterkunft für Deckkater Viele Züchter haben beispielsweise ein Katerzimmer eingerichtet. Erste Vorsichtsmaßnahme dabei, sofern man diesen Raum nicht fliest: Boden und Wände so lange lackieren, bis man sicher ist, dass keine Markierungen mehr ins Mauerwerk eindringen können. Das gilt übrigens auch für Fliesen-Fugen. Ausstatten lässt sich ein solcher - beheizbarer - Raum mit einem kleinen Schuss Kreativität ganz gemütlich einrichten: Kratzbaum, Liegeflächen auf verschiedenen Ebenen, Höhlen, Nischen zum Verstecken. Und auch Mensch sollte dort an seine Gemütlichkeit denken, denn wenn der Kater nicht umfassend am Familienleben teilnehmen kann, braucht er doch wenigstens eine regelmäßige menschliche Betreuungszeit von mindestens zwei Stunden über den Tag verteilt: Couch oder Bett, Tisch, ein kleiner Fernseher für den Zweibeiner.

Polstermöbel sollten mit einer leichten Folie abgedeckt sein, darüber können Decken liegen, die mindestens ein Mal pro Woche bestimmt in die Waschmaschine müssen. Ein Kater darf auch nie alleine in einem solchen Raum wohnen: Mindestens ein zweites Tier sollte immer bei ihm sein. Je nach Temperament ist es sogar möglich, auch zwei oder sogar mehrere potente Kater zusammen unterzubringen - vorausgesetzt, es gibt genug Platz und Nischen, wo sich die Herren aus dem Weg gehen können. Gelegentliche Rangkämpfe sind jedoch auch dann nicht ausgeschlossen.

Selten wird ein kleinerer Züchter jedoch mehrere potente Deckkater halten, sodass dieses Problem hier nicht vorrangig ist. Eher kommt ein Kastrat als Begleiter in Frage - was wiederum ein Argument dafür ist, sich möglichst spät für einen eigenen Deckkater zu entscheiden: Wer mit seiner Zucht erst anfängt, wird nicht so schnell einen seiner Hoffnungsträger sterilisieren lassen. Wünschenswert wäre natürlich auch noch ein angrenzendes kleines , mindestens teilweise überdachtes Freigehege, damit der Kater auch noch in der frischen Luft herumtoben kann und einfach über mehr Abwechslung verfügt. Es erweitert seinen Lebensraum erheblich. Am schönsten wäre dabei natürlich eine direkte Verbindung zwischen den beiden Bereichen. Kontakte aufrecht erhalten

Und damit potente Kater auch ihren Kontakt zu den anderen Katzen im Haus nicht gänzlich verlieren, kann man daran denken, sie zeitweise mit einem Gummihöschen in der Wohnung laufen zu lassen. Kleine oder mittlere Hundegröße reichen. Den Kater stört es (nach einer kleinen Eingewöhnungszeit) nicht sehr - er markiert halt eben dann in die reingelegte Windel. Häufig leben Deckkater auch in einem Freigehege mit integriertem Katerhaus. Hier gibt es qualitativ erhebliche Unterschiede - von einer liebevoll eingerichteten Hütte mit Heizung bis hin zum einfachen, mit Stroh gefüllten Kaninchenstall. Man mag streiten, was katergemäßer ist - auf jeden Fall gilt auch hier: Niemals darf ein Tier in Isolationshaft leben, es sollte immer ein Artgenosse dabei sein - und auch menschliche Zuwendung muss ausreichend gesichert sein.

Als Faustregel könnte vielleicht auch hier gelten: Nur da, wo auch der Mensch sich vorstellen kann, sich einige Zeit am Tag ohne Beklemmungen aufhalten zu können, sind auch die Chancen für eine menschenbezogene Deckkaterhaltung gegeben.
Gedanken für das "zweite" Leben
Und das ist wichtig für das spätere "zweite Leben" - das nach der Kastration, wenn der Ex-Deckkater als Sofa-Tiger in die große Meute aufgenommen werden soll. Dann ist nämlich Mensch gefragt, wenn es darum geht, Integrations-Probleme auszuräumen. Und je enger die Bindung bereits vorher war, desto leichter wird diese Eingliederung.

Wobei nicht vergessen werden soll, dass Kater, wenn sie über einen längeren Zeitraum gedeckt und markiert haben, nach einer Kastration nicht unbedingt sofort sauber sein müssen. Hormongaben können hier geeignet sein, den Herren beim Abgewöhnen des Spritzens zu helfen - Ausrutscher werden aber noch lange vorkommen. Aber das muss eine Liebe zu einem Familienmitglied aushalten können - und wozu gibt es Desinfektionsmittelchen und Geruchsvernichter wie beispielsweise Oranex? Allerdings: Ex-und-Hopp-Züchter, die ihre Kater unter tierunwürdigen Verhältnissen gehalten haben, werden sich auch über den folgenden Lebensabschnitt als Kastrat wohl kaum Gedanken machen. Er läuft dann nur noch als kostspieliger und nutzloser Esser mit. In dem Fall kann sich der Kater glücklich schätzen, wenn er weggegeben wird und endlich ein Zuhause findet, wo ihn Menschen um seiner selbst lieben.

Wie ist Ihre Erfahrung?